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Sonntag, 1. April 2012

Abhängen am Glacier 3000

Ich habe mich schon vor einiger Zeit zu den Freeridedays angemeldet. Heute war es nun so weit. Pünktlich und nervöser als ich zugeben möchte, stand ich heute Morgen bei der Talstation vom Glacier 3000. Wir wurden in kleine Anfänger- und Fortgeschrittenen-Gruppen eingeteilt. Jeder Gruppe wurden anschliessend ein Pro-Rider und ein Bergführer zugewiesen.

Nach einer grossen Vorstellungsrunde stand zunächst das Thema Sicherheit auf dem Programm. Wir erhielten einen Klettergurt, ein Lawinenrettungs-Gerät und eine Sondierstange, wichtige Utensilien beim Freeriden. Den Umgang damit durften wir gleich vor Ort üben. Das gegenseitige Anpiepsen mit dem LVS-Gerät erinnerte mich zwar eher an ein Flirtseminar, aber es liess mich meine Nervosität vergessen. Zumindest bis wir darauf hingewiesen wurden, dass der Helikopter und die Sanität im Tal stationiert seien, falls wider Erwarten etwas passieren sollte. Ich glaube, das sollte der Beruhigung dienen, bewirkte aber – zumindest bei mir – eher das Gegenteil.

Zeit, einen Rückzieher zu machen, gab man mir nicht. Von der grossen Gondel aus schaute ich auf die Hänge und schluckte schwer. Für einen Moment überlegte ich, ob ich nicht lieber in der Bahn bleiben und im Tal mit dem Helikopterpilot und den Sanitätern Kaffee aus der Thermoskanne schlürfen soll.

Mutig schnallte ich mir mein Board an, sagte mir: „If not ME, who else“ und startete mit den anderen in den Pulverschnee. Es war super! Wir traversierten unter dem Gemskopf und fuhren den untersten Teil noch durch einen lichten Föhrenwald. Nach dieser Fahrt, immerhin von 2971 auf 1546 m ü. M. fühlten sich meine Beine an wie Wackelpudding. Ich war das erste Mal richtig froh, dass die Fahrt mit der Gondel länger als ein, zwei Minuten dauerte.

Oben angekommen, hiess es nach einer kurzen Abfahrt, Snowboard an den Rucksack schnallen und Klettergurt anziehen. Den Startpunkt fürs nächste Highlight des Tages konnte ich schon von weitem sehen. Er bestand aus einem riesigen aufblasbaren Tor, das im Wind schwankte. Auf der anderen Seite des Tors wartete ein 60 m hoher Abgrund auf uns. Nachdem zweimal – Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste – kontrolliert war, ob ich gut gesichert bin, erklärte mir der Bergführer die wesentlichen Punkte: Ich müsse schauen, dass das Seil nicht am Felsen reibe, da es sonst reissen könnte. Da schwankte nicht mehr nur das Tor sondern auch mein Mut. Während mir das Kaffeekränzchen im Tal auf einmal wieder sehr verlockend erschien, wünschte mir der Bergführer „Gute Reise“ und schickte mich in die Tiefe.

Am Seil hängend drehte ich mich unaufhaltsam um die eigene Achse. Dagegen war ich machtlos. Immer wieder wechselte das Bild zwischen schöner Aussicht bis nach Gstaad und dem Blick auf die Felswand. Nach unten schauen? Bloss nicht! Und so kam die Landung am Boden dann doch überraschend. Ich plumpste in den Tiefschnee eines doch recht steilen Hangs, wo sich das Boardanschnallen etwas mühsam gestaltete. Nur nicht das Board loslassen. Nicht auszudenken, wenn ich wieder hochklettern und zu Fuss ins Tal müsste! Die Mühe hat sich gelohnt. Die letzte Abfahrt hat nämlich riesigen Spass gemacht!

Im Tal angekommen, wärmte ich mich dann endlich beim geduldig wartenden Sicherheitsteam mit einem nun wohlverdienten Kaffee auf. Ich konnte mir natürlich nicht verkneifen, jedem, der mir über den Weg lief, voller Stolz unter die Nase zu reiben, welche Abenteuer ich überstanden habe und wie mutig ich bin. 




 

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