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Mittwoch, 18. April 2012

Vergebung am Röstigraben

Den fiesen, weil so sanften Anstieg von Gstaad hinauf ins Rübeldorf packe ich inzwischen locker. Es dauert nur noch 3 Minuten, bis das Keuchen vorbei ist und meine Pulsfrequenz sich wieder beruhigt hat. Ich bin stolz auf mich. Meinem Mut wachsen Flügel. 

Wenn alle immer von den Herausforderungen Chalberhöni und Schönried schwärmen, und ich mich bis jetzt tapfer abgestrampelt habe, dann kann es doch gar nicht soooo schlimm sein, oder?  

Wohlan, ich versuch’s einfach. Richtung Rougemont soll es nun gehen. Ist ja schön flach bis dahin. 

Jaja, der Anstieg bis zur Kantonsgrenze… Im Auto ist er mir bislang nie aufgefallen. Am Monument für den Röstigraben habe ich alle meine Sünden gebüsst und die Demut wiedererlangt. Nun ja, nach Rougemont geht’s ja nur noch bergab. Haha, auch hier wird mein Bewusstsein für Steigungswinkel im gleichen Mass trainiert wie meine Oberschenkel. Ein Päuschen bei Pferden, und ein kurzes Katze-Kraulen am Zaun – ach es ist wieder herrlich, so unterwegs zu sein. Sind die Muskeln erst einmal warm, dann ist der Rest doch ein Klacks. Vom Gefühl her könnte ich glatt bis Montreux so weiter radeln, aber das spare ich mir für einen anderen Tag. Ich will’s ja nicht übertreiben.     

An der Talstation La Videmanette vorbei folgt der Einstieg in den Veloweg zurück nach Saanen. Den habe ich schon mal zu Fuss gemacht, aus der Erinnerung heraus sollte dies gut zu schaffen sein. 

Vergiss es! Wo plötzlich diese Mördersteigung herkommt, ist mir ein Rätsel. Selbst in der kleinsten Übersetzung ist hier nicht an ein Erfolgserlebnis zu denken. Gott sei Dank sieht mich keiner, wie ich ächzend das Bike den Berg hinauf stemme. Zu allem Unglück macht oben eine dicke Schneeschicht den Weg schier unpassierbar. Nein, zur Umkehr bin ich nicht bereit. Kommt gar nicht in Frage! Sorry, Natur, ich kann mich jetzt nicht für dein frühlingshaftes Erwachen begeistern.  

Der nächstbeste Abzweig in tiefere Gefilde ist meiner! Die Freude, den steilen, schmalen Weg ohne Überschlag gemeistert zu haben, währt nur kurz. Auf der anderen Talseite geht es nämlich genauso steil und schmal wieder Richtung Hauptstrasse zurück. Uff, die Zivilisation hat mich wieder…   

Fazit dieser Trainingsrunde: Bescheidenheit statt Muskelkater, Respekt vor der Landschaft statt Kreuzschmerzen und die Erkenntnis, dass ein bisschen Quälen die Motivation eigentlich nicht beeinträchtigen kann.




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