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Dienstag, 19. Juni 2012

Schmerzhaft in die Kurve gelegt - Wie ich mein persönliches Tempolimit markierte

Mein kleines blaues Mountainbike hat sich inzwischen zu einem sehr genüsslichen Begleiter gemausert. In Sachen Kondition muss ich mein Licht nicht mehr allzu sehr unter den Scheffel stellen. Nachdem ich neulich bei gegen mich gerichtetem Fönsturm den Anstieg zum Lauenensee mit nur zweimal absteigen gemeistert habe, und auch der Aufstieg nach Turbach ohne grosse Weh und Ach überstanden war, dachte ich: Klasse, die Welt steht mir nun offen.“ Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall.

Und der Fall kam ansatzlos. Ich habe mich sprichwörtlich in die Kurve gelegt – ein Ereignis, das mich nach allen Regeln der Kunst so richtig schön geerdet hat. Das war ein nachhaltig eindrucksvolles Erlebnis – zumindest am Ellenborgen werde ich noch eine Weile etwas davon haben… Grrrrr.

Und ratet mal, wo mich das Unglück ereilte… Genau – an der Mördersteigung ganz in der Nähe von der Talstation La Videmanette, die mich schon einmal Nerven gekostet hat (treue Leser dieses Blogs mögen sich erinnern…). Diesmal kam ich von Saanen. Ich war beflügelt von meiner Kraft und voll überschäumender Energie nach einem aufreibenden Bürotag. Kein Anstieg zu schwierig, keine Abfahrt steil – Hals über Kopf und volle Kraft auf die Pedale. Bevor ich in diesen Schicksalshang eintauchte, beschlich mich schon ein warnendes Gefühl. Vielleicht doch ein wenig bremsen? Ach was! Karacho und weiter!

Die Einfahrt in die Kurve erschwische ich noch ganz gut.
Die vom Regen ausgespülte Rinne direkt auf der Ideallinie wird mir jedoch zum Verhängnis. Das Vorderrad gerät ausser Kontrolle, das Bike kippt und ich lande per Bauchplatscher im Schotter. Ein Glück trage ich Handschuhe. Ei verfluuuu…. Wie das brennt am Knie – und am Ellenborgen. Au, tut der Oberschenkel weh… Ok, erst mal sortieren. Sind alle Knochen noch am Platz? Was kann ich noch bewegen? Fliesst irgendwo Blut? Aufstehen – ja das geht. Bike aufstellen, ja, das geht auch. Au, dieser Schmerz ist heftig… Gott sei Dank, alle Schäden nur oberflächlich… uff, jetzt brauche ich ‘ne Pause. Das Gras im Kurvenbogen ist weich und kühl. Jetzt herrscht Ruhe. Durchatmen.

Kurz darauf rauschen vier rasante Mountainbiker den Weg hinunter. Die ersten drei passieren die Unfallstelle und nehmen die Kollegin im Gras nur im Vorbeiflug wahr. Der Vierte im Bund nimmt das Vorbeifliegen wörtlich. Er „legt“ sich an dergleichen Stelle wie ich in die Kurve und kracht mir genau vor die Füsse.

„Willkommen im Club“, denke ich. Wow, das sieht echt gefährlich aus. „Geht’s?“, frage ich beim Aufhelfen. Seine Prellungen sehen schlimmer aus als meine. Blut fliesst keins. Zum Glück ist auch bei ihm keine gravierende Verletzung zu erkennen. Seine Kollegen sind inzwischen umgekehrt und im wahrsten Sinne „bestürzt“. Nach einer kurzen Sammel-Phase beschliessen wir, als Versehrten-Konvoi zu zweit den Heimweg nach Saanen anzutreten – so gut das eben noch geht.

Von Tempo und Ehrgeiz will keiner von uns mehr etwas wissen. Ich sag’s euch – der Schmerz lehrt Demut. Wie es dem Kollegen seither ergangen ist, weiss ich nicht. Inzwischen sind meine Wunden verheilt. Es bleibt wohl nur am Ellbogen eine kleine Narbe zurück. Sicher ist jedenfalls nur eines: Mein ganz persönliches Tempolimit am Berg ist nun gesetzt. Es ist keine Schande (hinten!!!) zu bremsen, bis die Scheibe glüht.

Hier noch ein paar Bilder: Diese Wunden heilen nicht, sie erinnern mich an mein persönliches Tempolimit








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