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Donnerstag, 8. Januar 2015

ME in Not?

In meinem warmen, von Arbeitsaufträgen umgebenen Büro erweckte ein besonderes E-Mail meine Aufmerksamkeit. Es war die Einladung zur jährlichen Bergungsübung der Bergbahnen Destination Gstaad AG. Genau mein Ding! Es war sowieso höchste Zeit, nach dem Weihnachtsmarkt in Saanen (siehe mein letzter Post) wieder etwas Actionreiches zu erleben.

Gewagt, getan. Am besagten Tag waren wir etwa 40 Personen, in warmer Kleidung bei der Talstation im Rübeldorf. Dick eingepackt in Skihosen, Skisocken und warmen Schuhen, bestieg ich optimistisch die Sesselbahn. Wir wurden alle einzeln auf die Sessel eingeteilt, damit die Retter ein möglichst grosses Übungsfeld hatten. Als schlauer Fuchs bestieg ich gleich nach den erfahrenen Männern die Bahn. Um 15.50 Uhr wurden wir als erste in die Höhe transportiert. Dicke Schneeflocken windete es mir ins Gesicht, ach wie schön der Winter ist.

Gespannt erwartete ich den "Ausfall" der Bahn. Zu meinem Erstaunen kamen wir bei der Bergstation an und fuhren gleich wieder in Richtung Tal. Auf der Höhe der Mojo-Bar kam dann der Stillstand – Punkt 16.05 Uhr. Es wurde auf einmal ganz leise. Und frisch. Ich wartete. Und wartete im langsam schwindenden Tageslicht.


Wir harrten in der Kälte aus.

Nach etwa 20 Minuten näherte sich ein Quad. Der Fahrer verschaffte sich zunächst einen Überblick, an welchen Standorten sich Personen auf der Bahn befanden. Ich wünschte mir sehnlichst wärmere Handschuhe herbei. Der Schnee klebte an meiner Kleidung.

Gegen 17 Uhr erreichte mich das Rettungsteam. Zwei Männer kletterten auf den Masten oberhalb meines Sessels. Der Mann am Boden übernahm die Sicherung. Am Tragseil entlang begab sich einer der Retter auf den Weg zu mir. Mit sicheren Handgriffen seilte er sich auf meine Höhe herunter. Ruhig begrüsste er mich und übergab mir den Rettungsgurt. Ja, im Fachjargon heisst das Teil tatsächlich Rettungswindel. Dankbar, nun bald wieder an die Wärme zu gelangen, zog ich also die Windel über. Der Retter befestigte mich mithilfe eines Karabiners am Ablassseil. Ein wenig Mut brauchte es dann schon, wenn man aufgefordert wird, in einigen Metern Höhe den Sessel einfach so zu verlassen. Langsam setze ich mich in Bewegung. Ein kleiner Ruck, und schon erfüllte die Rettungswindel ihren Zweck als halbwegs komfortabler Sitz. Der Helfer am Boden sicherte mein Seil und lies mich sanft zu Boden. Dort wurden die Personalien aufgenommen, danach wurden die geretteten Personen mithilfe eines Quads an die Wärme ins Bergrestaurant Eggli geführt.

Der Retter ist in Anmarsch.

Glücklich, sicheren Boden unter den Füssen zu haben, wärmten wir uns auf. Nach 18 Uhr waren alle Retter und alle geretteten Personen zufrieden im Berghaus. Dank der Übungsbesprechung können im nächsten Einsatz (vielleicht Ernstfall) noch einige Details verbessert werden.


Nach einem wunderbaren Fondue war die Kälte vergessen. Die Erfahrung, dass eine Stunde allein auf einem Sessellift schon sehr kalt werden kann, lässt mich beim nächsten Skifahren sicherlich noch wärmer anziehen. Das Erlebnis mit dem Top-Personal der Rettungsequipen der Gruppen SAC Sektion Oldenhorn, SAC Sektion Pays-d‘Enhaut und dem Rettungspersonal der BDG AG gibt mir zudem ein grosses Gefühl von Sicherheit.

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