Der unterhaltsame Blog-Channel aus der Ferienregion Gstaad mit erlebnisreichen Posts von "Me"

Dienstag, 26. Juli 2016

Nun zählt es…Laufen & Spenden!

Laufen ist eine Freundschaft, meistens eine bleibende und erinnerungsträchtige.

Die dabei involvierten Menschen & Erlebnisse bleiben für immer, egal wo sie sich auf unserem wunderbaren Joggingplaneten ereignet haben.

Meinen ersten Muskelkater hatte ich einem Arbeitskollegen zu verdanken, der mich ziemlich überraschend an einen Halbmarathon mitgeschleppt hat.

Mit Herzklopfen und Schweissausbrüchen verbrachte ich die Nacht davor schlaflos. Am Start fühlte ich mich wie ein Waschlappen im Schleudergang.

Morgendliche Stimmung


Doch kaum trabten die farbig beschuhten und technisch bekleideten Mitbestreiter los, war ich mit meiner rudimentären Laufausrüstung (Fussballleibchen, elegante Shorts und Turnschuhe zum Squashen) im Hype.

Ich bewegte mich deutlich über der mir damals noch glücklicherweise unbekannten anaeroben Schwelle. Das bald einsetzende Seitenstechen konnte ich trotzdem einordnen, gab jedoch einfach der langen Distanz dafür Schuld.

Im Ziel angekommen, hatte ich unschuldig mehrere Teilnehmer überholt und meine Vorgabezeit pulverisiert. Der anschliessende Pasta Teller hat noch nie besser geschmeckt, konnte aber meine durch die unübliche Ernährung mit Energieriegeln und Gels gestresste Verdauung vorerst nicht beruhigen.


Belohnung nach einem Trailrun - Pasta, Vino & Fussball


Trotzdem ich fühlte mich wie ein dopingfreier Doppelolympiasieger bei der Nationalhymne.

Das ist Jahre her, geblieben ist die Passion zum Joggen. Dazu kamen viele neue Kollegen und Kolleginnen im Laufschritt. Ab und zu habe ich diese dann an ihren ersten Contest mitgeschleppt. So wie jetzt das Gstaad Saanenland Team zum Glacier 3000 Run.

Ebenfalls später realisierte sich die Idee von Laufen und Geldsammeln, kurz genannt Run4Life.

In diesem Sinne startet das Team Gstaad Saanenland beim Glacier 3000 Run 2016.

Mit dem Geld wollen wir einem sehbehinderten und wenig gut situierten Menschen Ferien in der herrlichen Region Gstaad ermöglichen.

Mit dem Hotel Solsana in Saanen haben wir ein für die Schweiz aussergewöhnliches Haus und mit der Stiftung Claire & George www.claireandgeorge.ch einen perfekten Partner, um sehbehinderten Reisenden eine hervorragende Unterkunft zu bieten.

Hotel Solsana


Natürlich werden wir anschliessend darüber berichten, wie viel Geld für die Aktion gesammelt werden konnte und mit welcher Urlaubsüberraschung wir unseren “speziellen” Gast verwöhnen durften. Wir danken also schon jetzt für Euren Beitrag auf UBS Filiale Gstaad, Konto RUN4LIFE, CH66 0023 3233 7703 19M2 R jeder Betrag ist herzlich willkommen!

Wer selber nicht spenden kann, darf uns am 6. August einfach die Daumen drücken, damit wir alle gesund, ausgeschlafen und ohne Verdauungsprobleme im Ziel auf 3000 Meter ankommen.

Wer mehr zu dieser Aktion wissen will, darf uns auf thomas.schetty@gstaad.ch kontaktieren. Weiter Infos findet ihr auf der Medienmitteilung und zum Lauf auf : www.glacier3000run.ch.

Montag, 18. Juli 2016

Mit 30 Kühen steil hinauf auf die Alp

Meielsgrund ist ein Talkessel umgeben von steil aufragenden Felswänden. Hier soll es also hinaufgehen. Mit 30 Kühen. Zu Fuss. Ich wurde eingeladen, eine der spektakulärsten Zügel-Etappen der Region mitzulaufen. Ich habe zugesagt... und stehe nun gegen 18 Uhr beim Gstaader Bauern und Boutiquenbesitzer Lorenz Bach vor dem Stall mit einem Stock in der Hand, Wanderschuhen an den Füssen und mächtig Herzklopfen, ob ich das wohl schaffen werde. Für Zweifel ist keine Zeit mehr, als die ersten Kühe den Stall verlassen. Auch sie sind nervös, weil die Stallroutine heute durchbrochen ist. Sie kennen das Zügeln hinauf auf die Meiels Alp schon und marschieren munter, geleitet von Hirten zum Einstieg in den Hang. Ein Glück, geht es hinauf weitaus langsamer als hinunter. Ich erinnere mich an den Alpabzug vom Kühtungel von vor zwei Jahren. Mamma Mia - ich habe noch nie Kühe derart rennen gesehen wie damals...

Am Anfang des Alpaufzuges

Gemächlich und vorsichtig ziehen die Tiere hier bergwärts. Die Treiber lassen ihnen keine andere Wahl. Vorsicht ist für Mensch und Tier geboten. Das Gelände ist voller Steine, Mulden und Löcher und birgt einiges an Verletzungspotenzial. Wenn eine Kuh kehrt und dann doch lieber wieder Richtung Tal laufen möchte, muss der Mensch schnell reagieren, springen und sie zurück auf den richtigen Weg lenken. Das braucht Kraft, Mut, Erfahrung und Kondition. Tja... ich bringe fast nichts davon mit. Die Situation fragt aber nicht danach und so liegt es an mir, selbige zu meistern. Je höher wir steigen, desto besser klappt das. Die Kühe geben das Tempo vor. Für ihre Gemächlichkeit bin ich weiss Gott dankbar.

 
Während dem Alpaufzug

Eineinhalb Stunden dauert der Aufstieg bis auf knapp 2000 Meter. Immer wieder öffnen sich herrliche Ausblicke auf das umgebende Panorama - im Abendlicht und unter dramatischen Wolkenformationen ein eindrückliches Erlebnis. Je näher wir der Alphütte kommen, desto grösser wird die Vorfreude auf das gemeinsame Z'nacht. Ein Schluck Wasser aus einer Quelle auf dem Weg sorgt für eine herrliche kurze Pausenerfrischung.

Auch die Kühe sind froh, als sie endlich am Ziel ankommen. In langen Zügen schlürfen sie das Wasser aus der Wanne, die als Tränke bereit steht, während die Hütten-Crew drin den Tisch deckt. Schinken, Wurst, Käse verschiedener Reifegrade, Brot, ein paar Trauben und natürlich ein Gläschen Weisser bringen die Kräfte zurück, die der Weg nach oben verzehrt hat. Die brauchen wir auch, denn wir müssen ja auch wieder runter... Zu Fuss, aber immerhin ohne Kühe.

Neue Kräfte für den Rückweg sammeln

Die Helfer mahnen zur Eile. Über dem Berg verdichten sich die Wolken zu dem bereits für den Nachmittag angekündigten Gewitter und die Dämmerung kündigt sich an. Aus dem gemütlichen Abstieg wird nichts. Jetzt heisst es "seckle", wenn wir es trocken hinunter schaffen wollen. Wie die Bergziegen springen die Kollegen den Weg entlang. Und wieder habe ich keine andere Wahl als mich bestmöglich anzupassen. Das sich nähernde Donnergrollen macht es mir leicht...


Ein Gewitter zieht auf. Zeit zur Heimkehr

Und nein, wir haben es nicht trockenen Fusses ins Tal geschafft. Auf den letzten 100 Metern kam die himmlische Gratis-Dusche, auf die wir alle liebend gern verzichtet hätten. Immerhin hat uns das Gewitter nicht voll erwischt, dann wäre es nämlich nicht mehr lustig gewesen. Ich muss wohl nicht sagen, dass ich in dieser Nacht mehr als gut geschlafen habe. Und mit einem gewissen Anflug von Stolz, berichte ich euch ebenfalls gern, dass ich fast keinen Muskelkater hatte. Dieses Abenteuer war sehr eindrucksvoll. Die Vorstellung, wie anstrengend erst der Abstieg mit den Kühen sein muss, hat mir das romantische Ideal vom allzeit zufriedenen Bergbauern gründlich zurechtgerückt. Es hat mir auch vor Augen geführt, wie wichtig Zusammenhalt, Teamwork, Respekt vor der Natur und gegenseitiges Vertrauen speziell in den Bergen ist. Wenn sich euch die Gelegenheit bietet, geht es erleben. Es lohnt sich.